Bioenergie Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Energiepflanzen

Energiepflanzen

Für Pflanzen, die gezielt ganz oder überwiegend für die energetische Nutzung in der Landwirtschaft angebaut werden, hat sich der Begriff „Energiepflanzen“ eingebürgert. Der Oberbegriff „Nachwachsende Rohstoffe“ umfasst daneben auch Holz aus dem Forst, diverse organische Reststoffe und Nebenprodukte sowie jegliche Biomasse, die für die stofflich-technische Nutzung bestimmt ist.

Energiepflanzen erzeugen als ein- oder mehrjährige Kulturen regelmäßige und nachhaltige Biomasseerträge. Gegenüber anderen erneuerbaren Energien ist Biomasse als Energieträger über längere Zeiträume (viele Monate oder Jahre) lagerfähig bzw. speicherbar. Biomasse als Energieträger bringt die Vorteile bedarfsgerechter Energieerzeugung mit sich.

Mit Blick auf die Möglichkeiten und Potenziale werden Energiepflanzen beim geplanten Ausbau der Energieerzeugung aus Biomasse künftig den größten Beitrag zu leisten haben. Energiepflanzen werden speziell für die energetische Nutzung angebaut und liefern wahlweise

  • Substrate für die Biogaserzeugung (z.B. Mais, Gras, Getreide, Hirse, Zuckerrüben und weiteren Kulturen),
  • holzartige bzw. lignocellulosehaltige Biomasse zur Nutzung als Festbrennstoff (z. B. schnell wachsende Baumarten, Miscanthus und andere Großgräser) und/oder
  • Zucker bzw. Stärke oder Pflanzenöle für die Biokraftstoffgewinnung (z. B. Raps, Getreide, Mais oder Zuckerrüben).
Anbauentwicklung nachwachsender Rohstoffe auf landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland, 2000 bis 2014
Anbau nachwachsender Rohstoffe auf landwirtschaftlichen Flächen in Deutschland 2013 und 2014

2014 werden nachwachsende Rohstoffe auf über 2,3 Mio. der gut 12 Mio. Hektar Ackerfläche in Deutschland angebaut. Auf Energiepflanzen entfallen davon etwa 2,1 Mio. Hektar. Hinzu kommt die in den etwa 11 Mio. Hektar Wald forstlich erzeugte Biomasse. Sie stellt den größten Anteil nachwachsender Rohstoffe. 

Einjährige Energiepflanzen

Verschiedene Kulturarten, die aus der Nahrungs- und Futtermittelproduktion bekannt sind, gewinnen als Energiepflanzen an Bedeutung, wie z. B. Mais, Raps, Rüben und Getreidearten. Sie werden als einjährige Kulturen angebaut, d. h. sie erfordern eine jährliche Bodenbearbeitung und Neueinsaat. Meistens erfolgt der Anbau in mehrgliedrigen Fruchtfolgen, auf einer Fläche werden also im jährlichen Wechsel verschiedene Kulturen angebaut. Einige Arten wie Mais sind aber auch „mit sich selbst verträglich“ und können mehrere Jahre in Folge auf der gleichen Fläche wachsen, andere wie z. B. Raps brauchen Anbaupausen von 3 bis 4 Jahren. Neu bei den einjährigen Energiepflanzen sind innovative Anbausysteme: etwa der Mischfruchtanbau, bei dem verschiedene Pflanzenarten, wie z. B. Mais und Sonnenblumen oder Getreide und Leindotter, gemeinsam auf einem Feld stehen, oder das Zweikulturnutzungssystem – es ermöglicht binnen eines Jahres zwei Ernten. Eine Beispiel-Fruchtfolge für Letzteres ist die Ernte der Wintergetreidekultur Roggen als Ganzpflanzensilage im Mai/Juni und der Nachbau von Hirse oder Mais mit Ernte im Oktober. Diese Anbausysteme bieten interessante Optionen in Hinblick auf eine diversifizierte, ökologische Ausrichtung des Energiepflanzenanbaus, in dem sie zum Beispiel den Boden ganzjährig bedecken und der Erosion vorbeugen.

Mehrjährige Energiepflanzen

Energiepflanzen können auch als mehrjährige Kultur – einmal gesät oder gepflanzt – über einen langen Zeitraum von bis zu 30 Jahren genutzt werden. Dazu zählen zum Beispiel Stauden wie die Durchwachsene Silphie oder Großgräser wie Miscanthus, beide werden jährlich geerntet. In Kurzumtriebsplantagen wiederum wachsen Baumarten wie Pappeln und Weiden, die in Reihen angepflanzt und alle drei bis fünf Jahre geerntet werden. Danach treiben die schnellwüchsigen Bäume aus dem Wurzelstock wieder aus. In den Zwischenjahren wird die Fläche so gut wie nicht bearbeitet, die Bäume kommen weitestgehend ohne Düngung und chemischen Pflanzenschutz aus. Dadurch eignen sie sich auch sehr gut für den Anbau in Trinkwassereinzugs- oder -schutzgebieten. Alle mehrjährigen Energiekulturen werden im Gegensatz zu den einjährigen erst in relativ geringem Umfang angebaut, das Interesse der Landwirtschaft nimmt hier aber deutlich zu.

Kombination ein- und mehrjähriger Energiepflanzen

Eine interessante Kombination des Anbaus von ein- und mehrjährigen Arten in einem System stellt die sogenannte Agroforstwirtschaft dar. Hierbei werden z. B. schnellwachsende Baumarten in Reihen gepflanzt und in den dazwischen liegenden Feldblöcken einjährige Kulturen angebaut (mit an moderne Saat- und Erntetechnik angepassten 36 oder 48 Meter Breite). Die Baumreihen leisten in solchen Systemen einen wichtigen Beitrag zur Minderung der Bodenerosion durch Wind und Wasser (Starkregen). Zudem werden diesen Anbauverfahren durch die Verbesserung des Mikroklimas und der Begünstigung von Nützlingen ertragssichernde und ertragssteigernde Effekte zugesprochen.

Umfangreiche Informationen zu den einzelnen Kulturen finden Sie im Internet unter energiepflanzen.fnr.de.

Basisdaten
Bauer Hubert