Bioenergie Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Biomasse-Potenziale

Bioenergie ist weltweit die meistgenutzte regenerative Energiequelle. Ihre Potenziale sind beträchtlich, insgesamt aber begrenzt. Die Biomasse für die Erzeugung von Bioenergie in Form von Wärme, Strom und Kraftstoffen stammt von Forst- bzw. von landwirtschaftlich genutzten Flächen und in geringem Maße auch aus aquatischen Systemen.

Eine bedeutende Bioenergiequelle ist zudem die Nutzung von biogenen Nebenprodukten, Reststoffen und Abfällen. Es gilt der Grundsatz "Nahrung zuerst“: Landwirtschaftliche Flächen sollen vorrangig der Nahrungsproduktion dienen. Im Folgenden sind Grundlagen, Bioenergiepotenziale, Status Quo und Ziele kompakt dargestellt.

Wie hoch sind die Bioenergie-Potenziale und in welchem Umfang können diese überhaupt genutzt werden?

Bei der Potenzialanalyse unterscheidet man nach theoretischem, technischem, wirtschaftlichem und erschließbarem Potenzial. Die ermittelten Werte beziehen sich in der Regel auf das technische Energiepotenzial.

 Definitionen nach Kaltschmitt, 2001

  • Technisches Potenzial: Anteil des theoretischen Potenzials, der unter Beachtung vorhandener Beschränkungen nutzbar ist. Die Beschränkungen können u.a. technischer, struktureller oder gesetzlicher Natur sein.
  • Wirtschaftliches Potenzial: Anteil am technischen Potenzial, der wirtschaftlich erschließbar ist. Aufgrund vielseitiger Betrachtungsweisen und ständiger Veränderungen ist es nur schwer quantifizierbar.
  • Erschließbares Potenzial: Anteil am technischen Potenzial, das nutzbar ist. Aufgrund von Rahmenbedingungen kann dieses kleiner oder größer als das wirtschaftliche Potenzial sein. Wie beim wirtschaftliche Potenzial bestehen auch beim erschließbaren Potenzial erhebliche Unsicherheiten.

Weltweite Biomassepotenziale

Im Jahr 2012 betrug der globale Primärenergieverbrauch ca. 560 Exajoule (EJ). Der Anteil erneuerbarer Energien lag bei 13,2 %, davon entfielen auf Biomasse nahezu 80 Prozent (> 50 EJ). Bis heute ist die traditionelle Verwendung von Biomasse zum Kochen und Heizen, überwiegend mit Holz, vielfach verbreitet. Neue Technologien zur Biomassenutzung im Strom-, Wärme- und Verkehrsbereich nehmen aber an Bedeutung zu.  

Die globalen Potenziale für die energetische Nutzung von Biomasse schätzt die Metaanalyse "Potenziale der Bioenergie"ab.

Link: www.forschungsradar.de/metaanalysen/einzelansicht/news/potenziale-der-bioenergie.html
 
Die Potenziale sind enorm und reichen aus, um einen erheblichen Teil des globalen Energiebedarfs zu decken. Ihre Nutzung kann jedoch nur unter Berücksichtigung der Belange von Nahrungsversorgung und Ökologie erfolgen, daher unterliegen die nachhaltig nutzbaren Biomassepotenziale Restriktionen.

Biomassepotenziale Deutschlands

Bei der Umstellung von fossilen auf erneuerbare Energieträger hat auch in Deutschland die Biomasse einen besonderen Stellenwert. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) kommt im Rahmen einer Potenzialabschätzung (Stand: 2016) zu folgenden Ergebnissen:

Im Jahr 2050 kann der Primärenergiebedarf in Deutschland zu über einem Viertel aus einheimischer Biomasse gedeckt werden. Der Löwenanteil kommt dann mit Anbaubiomasse (wie z. B. Energiepflanzen) und Reststoffen wie Stroh, Gülle und Mist aus der Landwirtschaft. Dieses Potenzial ist derzeit erst zu einem Drittel ausgeschöpft. An zweiter Stelle folgt Energieholz, u. a. Wald- und Industrierestholz sowie Altholz. Dieses Potenzial nutzen wir bereits zu zwei Dritteln. Das Energiepotenzial organischer Rest- und Abfallstoffe, z. B. aus dem Hausmüll, der Grünflächenpflege, aus der Biotonne oder aus Gewerbe und Industrie, ist hingegen vergleichsweise gering und heute schon so gut wie ausgeschöpft.

Bioenergie lieferte 2015 8 Prozent des Primärenergieverbrauchs (PEV) in Deutschland, der insgesamt bei 13.306 PJ lag. Experten gehen davon aus, dass er bis zum Jahr 2050 auf knapp 6.900 PJ sinken wird. Wenn wir dann alle vorhandenen Biomassepotenziale energetisch bzw. über die Kaskadennutzung erst stofflich und im Anschluss energetisch nutzen, können wir über ein Viertel unseres PEVs decken. Voraussetzungen dafür sind ein gesellschaftlicher Konsens und entsprechende Rahmenbedingungen.

Die Zahlen zeigen: Vor allem Landwirte können zum Fortschritt der Energiewende beitragen und mit Bioenergie eine steuer- und regelbare Ergänzung zu Wind und Sonne liefern.

Biomassepotenziale
Einheimische Bioenergie kann 2050 bis zu 26% unseres Primärenergiebedarfs decken.

Energie aus der Landwirtschaft:

Den größten Beitrag können Energiepflanzen wie Mais, Raps, Rüben, Getreide, Gräser oder umweltfreundliche Dauerkulturen wie die Durchwachsene Silphie, Wildpflanzenmischungen oder Agrarholz (schnell wachsende Baumarten) liefern. Insgesamt ist der Energiepflanzenanbau in Deutschland 2050 nach Auffassung verschiedener Experten unter Berücksichtigung  naturschutzfachlicher Restriktionen auf bis zu 4 Millionen Hektar mit einem Beitrag von bis zu 740 PJ machbar (2015: 2,2 Mio. ha und etwa 247 PJ). Möglich machen dies der demografische Wandel, agrarpolitische Änderungen und Ertragssteigerungen.
Das noch kaum energetisch genutzte Stroh ist die zweitgrößte Fraktion bei der Energie aus der Landwirtschaft. Unter Berücksichtigung der für die Humusreproduktion benötigten Mengen stehen jährlich rund 10 Mio. Tonnen zur Verfügung. An dritter Stelle folgen Mist und Gülle, die erst zur Hälfte energetisch genutzt werden. Weitere landwirtschaftliche Reststoffe wie Ernterückstände fallen kaum ins Gewicht.

Energie aus Holz:

Beim Waldholz, also bei Holz aus Durchforstung, Kronenresten etc., bestehen noch größere ungenutzte Potenziale. Auch Landschaftspflegeholz kann noch kleinere Anteile erbringen. Industrierestholz, z. B. aus Sägewerken, und Altholz, z. B. aus Abrisshäusern, sind bereits weitgehend in Nutzung.

Energie aus Abfällen:

Rest- und Abfallstoffe aus der Lebensmittel- und Futterproduktion, industriellen Prozessen, Haushalten oder aus der Pflege öffentlicher Grünflächen oder Sportplätze bergen entgegen landläufiger Meinung so gut wie kein zusätzliches Potenzial mehr.

Animationsfilm Biomassepotenziale Deutschland

Der folgende Animationsfilm stellt anschaulich unsere einheimischen Biomassepotenziale im Jahr 2050 dar.

FNR-Pressemitteilung zum Animationsfilm

Video zum Thema Bioenergiepotenziale in Deutschland im Jahr 2050

Biomassepotenziale in den Bundesländern

Mit etwa zwei Dritteln stellt Bioenergie den größten Teil der erneuerbaren Energien in Deutschland. Die Rohstoffe, die dies ermöglichen, reichen von Energiepflanzen über Wald- und Resthölzer bis hin zu Abfällen aus Landwirtschaft und Biotonne. Je nach regionalen Gegebenheiten sind die Bioenergie-Potenziale in Deutschland unterschiedlich groß und bislang unterschiedlich stark genutzt. Das macht der "Potenzialatlas - Bioenergie in den Bundesländern" deutlich. Entwickelt wurde der Atlas von der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) auf Basis von Untersuchungen des Deutschen Biomasseforschungszentrums (DBFZ).

Basisdaten Nachwachsende Rohstoffe
Bauer Hubert