Bioenergie Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Potenziale von Rest- und Abfallstoffen

 

Die Bundesregierung strebt mit ihrem im Herbst 2010 veröffentlichten und nach dem Fukushima-Unglück fortgeschriebenen „Energiekonzept“ den Umstieg auf erneuerbare Energien an. Der Bioenergie wird in diesem Energiekonzept eine wichtige Rolle zugeschrieben.

Schon jetzt ist Bioenergie die mengenmäßig wichtigste erneuerbare Energiequelle in Deutschland. 2014 stellte sie rund zwei Drittel des Aufkommens aller erneuerbaren Energien hierzulande. Sie dominiert bei der Wärmeerzeugung und im Verkehrssektor, liefert knapp ein Drittel des erneuerbaren Stroms.

Die Bundesregierung will künftig vorrangig Bioenergiepotenziale im Bereich der biogenen Rest- und Abfallstoffe erschließen. Damit sollen Nutzungs- und Flächenkonkurrenzen und die Kosten der Bioenergieerzeugung in einem vertretbaren Rahmen bleiben. Mit der EEG-Novelle 2014 erfolgte daher eine Fokussierung auf die Stromerzeugung aus landwirtschaftlichen Reststoffen und aus Abfällen. Es wurden keine weiteren Anreize für einen Ausbau der Stromerzeugung aus Energiepflanzen gesetzt.

Doch: Wie groß sind die tatsächlichen Potenziale aus biogenen Rest- und Abfallstoffen und reichen diese für die Erreichung der Ziele des Energiekonzeptes? Und wie sonst lassen sich die Ziele erreichen? Mit der Studie „Biomassepotenziale von Rest- und Abfallstoffen – Status quo in Deutschland“ hat das Deutschen Biomasseforschungszentrum gGmbH (DBFZ) den Sachstand und die weitergehenden Möglichkeiten  zur Nutzung von biogenen Rest- und Abfallstoffen bewertet. Die Studie wurde durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert.

 

Status Quo

2014 betrug der Primärenergieverbrauch (PEV) in Deutschland 13.077 PJ.

Der Bioenergieanteil am gesamten PEV lag bei 7,5 Prozent oder 985 PJ.

Die Bioenergie stammte zu über der Hälfte (541 PJ) aus biogenen Rest- und Abfallstoffen, zu einem Viertel aus Energiepflanzen, zu 13 Prozent aus Energieholz aus dem Wald und zu 7 Prozent aus Biomasse-Importen. Biogene Reststoffe stellen damit bereits heute den Löwenanteil der Bioenergie.

Vom vorhandenen technischen Biomasse-Reststoffpotenzial sind gegenwärtig bereits zwei Drittel in einem stofflichen oder energetischen Verwertungspfad. Insbesondere Siedlungsabfälle (Biotonne, Speisereste, Marktabfälle etc.) und industrielle Reststoffe (wie z.B. aus der Lebensmittelproduktion) werden schon heute fast vollständig genutzt.

 

Ungenutzte Potenziale

Es gibt nach wie vor ungenutzte biogene Rest- und Abfallstoffpotenziale in Höhe von ca. 448 PJ. Diese konzentrieren sich im Wesentlichen auf drei Biomassearten.

Das größte noch ungenutzte Reststoff-Potenzial hat Waldrestholz, gefolgt von Stroh und tierischen Exkrementen (Gülle/ Mist). Andere Biomassen wie z. B. Sägereste, Altholz, Schwarzlauge, Landschaftspflegeholz, Siedlungsabfälle oder Reststoffe aus der Lebens- und Futtermittelherstellung werden bereits stark genutzt oder ihr Aufkommen ist gering. Zusammen stellen sie weniger als fünf Prozent des Potenzials ungenutzter Rest- und Abfallstoffe.

Die Verwertung der ungenutzten Potenziale sollte gemäß Kreislaufwirtschaftsgesetz unter Effizienz- und Wertigkeitsgesichtspunkten  und ggf. Kaskadennutzung  (erst stofflich und dann energetisch) erfolgen.

 

Die Herausforderung

In den Szenarien zur Erreichung der Ziele des Energiekonzeptes geht die Bundesregierung davon aus, dass sich der Primärenergieverbrauch (PEV) bis zum Jahr 2050 nahezu halbiert und Bioenergie dann in der Lage sein könnte, über ein Viertel des verbleibenden Bedarfs, entsprechend 1.915 PJ, zu stellen.

Allerdings würde die vollständige energetische Nutzung der einheimischen Potenziale an biogenen Rest- und Abfallstoffen nicht ausreichen, um die benötigten Bioenergiemengen gemäß der Szenarien des Energiekonzepts der Bundesregierung zu decken.

Es bedarf umfangreicher Informationen und Aufklärung um die bisher ungenutzten Potenziale biogener Rest- und Abfallstoffe zu erschließen. Neben entsprechenden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sind auch gezielte Investitionsanreize notwendig.

Annahmen: Bioenergie-Ziel im Jahr 2050: 1915 PJ; Energieerzeugung aus Energiepflanzen, Energieholz aus dem Wald und Importe bleiben unverändert.
 

Lösungsoptionen

Die Biomassepotenziale ließen sich durch folgende Maßnahmen erhöhen:

  • Ertragssteigerungen in Land- und Forstwirtschaft durch Züchtungsfortschritte und neue oder optimierte Anbaumethoden
  • effizientere und neue Konversionstechnologien
  • bessere Ausnutzung von Stoffströmen, z. B. anfallende Wärme von Biogasanlagen
  • Erschließung zusätzlicher dezentraler Energieholz- und Energiepflanzenpotenziale mit regionalen Konzepten (Bioenergiedörfer, Energiegenossenschaften etc.)
  • nachhaltige Ausweitung der Energieholznutzung
  • Forcierung der Kaskadennutzung mit zunächst stofflicher und erst anschließender energetischer Nutzung
  • Entwicklung und Ausweitung des Recyclings stofflich genutzter Biomasse
  • Erschließung bislang nicht land- und forstwirtschaftlich genutzter Flächen (z. B. Bergbaufolgelandschaften, Stadt- und Industriebrachen, ehemalige Militärflächen etc.) unter Beachtung sonstiger gesellschaftlicher Ziele (u.a. Erholung, Naturschutz)
  • Ausweitung der Biomasse-Importe (mit Nachhaltigkeitszertifizierung im internationalen Maßstab, die die Ernährungssicherheit berücksichtigt)
  • Ausweitung des Rohstoffpflanzenanbaus:

 -       In verschiedenen Studien wird eine Ausweitung der Anbaufläche für nachwachsende Rohstoffe in Deutschland von heute 2 Mio. auf bis zu 4 Mio. ha (Ackerflächen) bis 2050 bei gleichbleibendem Grad der Nahrungsmittelerzeugung und unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsanforderungen für realistisch gehalten.

-       Über einen naturverträglichen, nachhaltigen Energiepflanzenanbau könnte man auf dieser Fläche zwei Ziele erreichen: Einen Beitrag zu den Bioenergiezielen des Energiekonzeptes und einen Beitrag für mehr Biodiversität und Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft. Konzepte dafür gibt es, z.B. den „produktionsintegrierten Naturschutz mit Energiepflanzen“.

-       Im Rahmen der dem Klima- und Umweltschutz förderlichen Bewirtschaftungsmethoden („Greening“): Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Nutzung des Aufwuchses von ökologischen Vorrangflächen.

 

Das BMEL fördert über das „Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe“ und über den „Energie- und Klimafonds“ Forschung und Entwicklung zu allen genannten Lösungsansätzen.

 

Fazit

Es gibt ungenutzte Potenziale an Rest- und Abfallstoffen. Sie werden jedoch allenfalls einen geringen Beitrag zu den Zielen des Energiekonzeptes der Bundesregierung leisten. Die wirtschaftlich nutzbaren Potenziale sollten daher nicht überbewertet werden.

Stattdessen bedarf es parallel der Umsetzung weiterer Maßnahmen. Flankierend sind die Unterstützung von Forschung und Entwicklung im Rahmen der Nationalen Forschungsstrategie Bioökonomie 2030 sowie geeignete politische Rahmenbedingungen für alle genannten Biomassepotenziale erforderlich.

 
 
Energie- und Klimafonds

FÖRDERSCHWERPUNKTE
IM ENERGIE- UND KLIMAFONDS

 
Basisdaten Nachwachsende Rohstoffe
 
Bauer Hubert
 
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