Bioenergie Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Systemintegration von Bioenergie

Die Energiewende erfordert eine Anpassung unseres Energiesystems: Ein Großteil der regenerativen Elektrizität wird dann erzeugt, wenn der Wind weht und die Sonne scheint: Das ist nicht immer dann, wenn wir den Strom auch vollständig verbrauchen können. Zudem stehen viele Windkraftanlagen im Norden Deutschlands oder auf See, während die verbrauchsstarken Zentren eher im Westen und Süden liegen.
Bioenergie spielt vor diesem Hintergrund eine Sonderrolle: Bioenergieanlagen wie Biogasanlagen und Holzheizkraftwerke sind zunächst grundlastfähig, verfügen aber auch über ein vergleichsweise hohes Maß an Flexibilität - sie sind im Gegensatz zu Windrädern und Photovoltaik-Anlagen regel- und steuerbar. Könnten sie, intelligent mit den anderen Kraftwerken zusammengeschaltet, deren variable Produktion ausgleichen? Dieses ist einer von mehreren Ansätzen für die erforderliche Systemintegration von Bioenergie und anderen erneuerbaren Energien in ein sinnvolles Energiewende-Gesamtkonzept. Weitere Ansätze sind Power-to-heat (also die Umwandlung von Überschussstrom in Wärme und deren Speicherung), Mikrogasnetze für den Transport von Biogas und dessen dezentrale Umwandlung in Strom und Wärme, die „Mobilisierung von Wärme“ mittels Latent-Wärmespeichern (chemische Speicherung von Wärme und Transport auf LKW) und einiges mehr.

2021: Strom und Wärme zu 60 Prozent erneuerbar

In der Modellregion Unterallgäu Nordwest sollen diese Ansätze zur verstärkten Integration von Bioenergieerzeugern in die heimische Energieversorgung in einem Projekt unter Praxisbedingungen erprobt werden. Die Modellregion will ihren Anteil erneuerbarer Endenergie bei Strom und Wärme in nur fünf Jahren von heute knapp 40 auf 60 Prozent ausbauen. Zu den innovativen Konzepten gehört ein virtuelles Kommunalkraftwerk, bei dem die zahlreichen Biogasanlagen der Region Aufgaben der Regelung und Netzstabilität übernehmen. Partner bei diesem Baustein ist der Stromnetzbetreiber Lechwerke AG.

Weitere, am Projekt beteiligte Unternehmen sind der Holzhaus-Hersteller Baufritz, das Ziegelwerk Klosterbeuren, das JOMA Dämmstoffwerk und der Allgäu-Airport. Insgesamt umfasst die Modellregion 27 Gemeinden im Nordwesten des Landkreises Unterallgäu, Projektleiter ist das eza! Energie- und Umweltzentrum Allgäu in Kempten.

Pressemitteilung zur Pressekonferenz vom 31.10.2016
Pressemitteilung zum Projektstart
Projektseite der eza!

Projekt „Energiewende Unterallgäu Nordwest“ in der Datenbank der FNR: Förderkennzeichen 22407314

Das Projekt wird über den Förderschwerpunkt Optimierung der Integration der Bioenergie in regionale und überregionale Energie-(infrastruktur-)systeme (Wärme, Strom, Mobilität) mit dem Ziel der Verbesserung der Systemstabilität und der Energieeffizienz aus dem Energie- und Klimafonds (EKF) der Bundesregierung gefördert. Die FNR betreut diesen Förderschwerpunkt im Auftrag des BMEL. Informationen zum Förderschwerpunkt finden Sie hier.

Wenn Waschmaschinen mit Biogasanlagen "sprechen" können

Eine weitere Möglichkeit zur Systemintegration von Bioenergie und anderen erneuerbaren Energien ist, die Verbraucher und Erzeuger erneuerbarer Energien zu vernetzen und zu synchronisieren. Flexible Verbraucher wie Waschmaschinen, Kühlgeräte, Stromspeicher und perspektivisch auch immer mehr Elektroautos könnten dann betrieben werden, wenn gerade viel günstiger Sonnen- und Windstrom im Netz verfügbar ist. Das würde das Portemonnaie der Verbraucher ebenso wie das der Erzeuger schonen, die ihren Strom heute zu Zeiten von Überproduktion immer öfter zu Niedrigst- bis hin zu negativen Preisen abgeben müssen. Und nicht zuletzt könnte dieser Ansatz auch den Bedarf an neuen Hochleitungstrassen für den Stromtransport verringern. Um diese netzseitige Abstimmung zwischen Verbrauchern und Erzeugern zu realisieren, entwickelt das IBB Ingenieurbüro Buss aus Ahaus nun ein Regelungskonzept inklusive des Prototypen eines Reglers.

Pressemitteilung zum Projektstart

Projekt „Erforschung von dezentraler Regler Technologie zum dezentralen Einsatz bei Anlagen zur Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen und bei Verbrauchern“ in der Datenbank der FNR: Förderkennzeichen 22400616

Auch dieses Projekt wird über den Förderschwerpunkt Optimierung der Integration der Bioenergie in regionale und überregionale Energie-(infrastruktur-)systeme (Wärme, Strom, Mobilität) mit dem Ziel der Verbesserung der Systemstabilität und der Energieeffizienz aus dem Energie- und Klimafonds (EKF) der Bundesregierung gefördert. Die FNR betreut diesen Förderschwerpunkt im Auftrag des BMEL. Informationen zum Förderschwerpunkt finden Sie hier.

Basisdaten Nachwachsende Rohstoffe
Bauer Hubert