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Strohheizung Gülzow

Seit dem Jahr 2013 werden die öffentlichen Liegenschaften im Ortsteil Gülzow der Gemeinde Gülzow-Prüzen mit Heizwärme aus regional nachhaltig verfügbarem Getreidestroh versorgt. Die Bürogebäude der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR), Bürogebäude, Labore, Werkstätten und Gewächshäuser der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei (LFA) und des Landesamtes für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LALLF) sowie Bauhof, Kindergarten, Feuerwehr und weitere Liegenschaften der Gemeinde Gülzow sind an ein Nahwärmenetz angeschlossen, dass aus einem Strohheizwerk mit Wärme versorgt wird.

Der Ausschreibung der Wärmeversorgung öffentlicher Liegenschaften in Gülzow waren umfangreiche Gespräche, Planungen und Berechnungen zur Umstellung der bisher auf Heizöl basierenden Wärmeversorgung auf erneuerbare Energieträger vorausgegangen. Im Ergebnis der unter Wirtschaftlichkeits- und Nachhaltigkeitsgesichtspunkten geführten Berechnungen hat die Staatliche Bau- und Liegenschaftsverwaltung Mecklenburg-Vorpommern eine Wärmeversorgung für die öffentlichen Liegenschaften mit regional verfügbaren Biobrennstoffen als vorzüglich ermittelt und die Wärmelieferung mit konsequenter Ausrichtung auf eine Bioenergielösung ausgeschrieben.

Das Strohheizwerk Gülzow wurde als Vergabeergebnis der europaweiten öffentlichen Ausschreibung von der Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern GmbH, Leezen (LGMV), errichtet. Die LGMV übernahm dabei die Investition in Gebäude und Anlagen, einschließlich Wärmenetz, die Bauplanung und Bauüberwachung mit eigenem Fachpersonal und seit Inbetriebnahme im August 2013 den laufenden Anlagenbetrieb der Wärmeerzeugung und Verteilung.

Zum Strohheizwerk gehören die Strohlagerhalle und das Heizhaus. In der Strohlagerhalle, die etwa 1/3 des Jahresbedarfs an Strohballen fassen kann, befindet sich der Ballenöffner mit Strohballenförderband. Im Heizhaus sind der Strohheizkessel und die Rauchgasreinigungsanlage, der Erdgaskessel sowie die Wärmepufferspeicher und die Wärmeübergabe an das Nahwärmenetz installiert.

Das Strohballenförderband kann den Tagesbedarf an Strohballen bevorraten. Auf Anforderung des Heizkessels starten Ballenöffner und Förderband. Die Messerwalzen des Ballenöffners nehmen das Stroh vom Ballen ab. Im Saugluftstrom wird es im Förderrohr in das Heizhaus und zur Zellenradschleuse (Rückbrandsicherung) am Strohheizkessel transportiert. Eine Stokerschnecke fördert das Stroh auf den Rost des Heizkessels.

Der Strohheizkessel hat ein einen kühl- und bewegbaren Treppenrost sowie eine spezielle Verbrennungsluftzuführung, um optimale Verbrennungsbedingungen und Glutbetttemperaturen für die Strohverbrennung zu schaffen. 30.000 Liter Pufferspeicher unterstützen einen Betrieb mit hinreichend langen Betriebszeiten im effizienten Vollastbetrieb.

Die am 1.000 m langen Wärmenetz angeschlossenen öffentlichen Liegenschaften haben einen jährlichen Wärmebedarf von rund 1.600 Megawattstunden. Dieser Wärmebedarf wird aus dem Strohheizkessel mit 990 kW Nennleistung gedeckt. Ein Erdgaskessel mit 1.100 kW Leistung steht als Redundanzkessel für den Notfall bereit. Er sichert den Wärmebedarf bei erforderlichen Wartungs- und Servicearbeiten ab.

Sowohl die Abluft von der Strohförderung zum Kessel als auch die Rauchgase der Feuerung werden von Stäuben gereinigt. Die Förderluft für den Strohtransport zum Kessel wird in einem außen neben dem Schornstein platzierten Gewebefilter von Staubpartikeln befreit. Die Rauchgase werden zunächst zur Abscheidung von Funken und Grobstaub durch einen Zyklonabscheider geführt. Anschließend wird Feinstaub in einem großen Gewebefilter aus den Rauchgasen abgeschieden. Die Filtereinrichtung im Strohheizwerk Gülzow ist auf Feinstaubemissionen von kleiner 10 mg/m³ ausgelegt und unterschreitet damit die gesetzliche Anforderung von 20 mg/m³ Feinstaub erheblich. Die anfallende Rostasche wird vom Landwirtschaftsbetrieb zurückgenommen und als Düngemittel verwertet. Die im Vergleich zur Rostasche geringe Aschemenge aus dem Gewebefilter wird entsprechend gesetzlicher Vorschriften entsorgt und deponiert.

Als Brennstoff kommt in der Strohheizung Gülzow vorrangig Weizenstroh einer benachbarten Agrargenossenschaft zum Einsatz. Für die Deckung des Wärmebedarfs der am Wärmenetz angeschlossenen Liegenschaften in Gülzow werden jährlich ca. 500 Tonnen Stroh, entsprechend einer Anbaufläche von etwa 125 Hektar Getreide, benötigt. Das Stroh wird von der LGMV von der Agrargenossenschaft zugekauft. Gemäß Liefervertrag wird das Stroh von der Agrargenossenschaft trocken gelagert und bedarfsgerecht am Strohheizwerk angeliefert. Stroh ist heizwertbezogen ein vergleichsweise preiswerter Brennstoff und steht in der Ackerbauregion Güstrow auch bei Beachtung von alternativen Verwendungen und Nutzungskonkurrenzen (wie u. a. Humus, Tierstreu, Erdbeerenanbau) mit großem Potenzial zur Verfügung. Die Getreidestrohpotenziale in den Landkreisen wurden am DBFZ ermittelt und werden auf https://dbfz.maps.arcgis.com/apps/dashboards/ ausgewiesen.

Das Strohheizwerk in Gülzow dient als Demonstrationsanlage und kann auf Anfrage bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. besichtigt werden. Landwirten, Bürgermeistern und Gemeindevertretern sowie Interessenten für Bioenergiedörfer werden damit Perspektiven für eine nachhaltige und preisstabile Wärmeversorgung auf Basis regional nachhaltig verfügbarer Biobrennstoffe aufgezeigt.

Regional nachhaltig verfügbares Stroh kann für die Wärmeversorgung genutzt werden.

In der Strohlagerhalle in Gülzow kann etwa 1/3 des Jahresbedarfs bevorratet werden. Zum Einlagern und zum Auflegen der Ballen auf das Förderband steht ein Teleskoplader bereit.

Für den vollautomatischen Anlagenbetrieb kann der Tagesbedarf an Strohballen auf das Förderband des Ballenöffners aufgelegt werden.

Ballenöffner mit Förderrohrleitung, in der der Brennstoff Stroh im Luftstrom zum Strohheizkessel transportiert wird.

Stroh als Brennstoff wird im Saugluftstrom vom Ballenöffner in der Strohlagerhalle hinüber zum Strohheizkessel in der Heizhaus transportiert.