Bioenergie Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

 

Projekt 2009 - 2012: Detail

 

Projekt: Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsanalyse Heuheiz(kraft)werk Schollene

Bundesland: Sachsen-Anhalt
Region: Bioenergie-Region Altmark
Ansprechpartner: Henning Kipp
Telefon: 03931 258099
Email: h.kipp(bei)altmark.eu
Beschreibung:  Die Altmark, im Norden von Sachsen-Anhalt gelegen, ist eine historisch gewachsene, naturräumlich weitestgehend einheitliche und sozio-ökonomisch homogene Region. Mit einer Bevölkerungsdichte von 47 Ew/km² gehört die Altmark zu den besonders dünn besiedelten Räumen in Deutschland.   Schollene liegt unmittelbar am Rande der Niederung der unteren Havel. Westlich und östlich der Gemeinde, im Abstrom der Heideflächen befinden sich großflächige Moorbildungen. Unmittelbar am nordwestlichen Ortsrand liegt der ca. 200 ha große Schollener See. Noch heute wird die Niederungslandschaft der Havel durch Hoch- und Niedrigwasserereignisse geprägt, welche durch die Wasserführung der nahen Elbe bestimmt werden. So findet sich in der Niederung vorrangig Grünland als landwirtschaftliche Bodennutzung.   Was wir heute hier vorfinden, ist eine über Jahrhunderte durch den Menschen geprägte Naturlandschaft. Immerhin blickt Schollene auf eine über 1000 jährige Geschichte zurück. Land- und Forstwirtschaft, Hochwasserschutz und Wasserbau zur Verbesserung der Bedingungen für die Schifffahrt auf der Havel haben diese Landschaft geprägt. Das durch die geologischen Gegebenheiten und die wechselnden Wasserstände sehr abwechslungsreiche Landschaftsbild weist nicht geringes touristisches Potential auf, was u.a. an Hand der zunehmenden Besucher des Havelradweges belegt wird.   Die reich strukturierte Landschaft mit den sich oftmals krass ändernden Lebensbedingungen bietet einer Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten, darunter auch viele geschützte oder sogar streng geschützte Arten Lebensraum. Diese herausragende Bedeutung gab die Veranlassung für eine umfassende naturschutzrechtliche Würdigung der Landschaft der Unteren Havelniederung. So wurde die Untere Havelniederung als Teil des „Biosphärenreservates Mittelelbe“ in das weltweite System der Biosphärenreservate aufgenommen. Biosphärenreservate sind Modellregionen von Weltrang. Hier sollen die Möglichkeiten für einen nachhaltigen Umgang mit Natur und Umwelt erprobt werden. Sie ist Bestandteil der Ramsar- Konvention zum internationalen Schutz der Wat- und Wasservögel („Feuchtgebiet internationaler Bedeutung“) Sie ist Bestandteil des europäischen Schutzgebietssystems „Natura 2000“ mit großflächigen FFH- und EU-Vogelschutz-Gebieten. Sie weist ein großflächiges Landschaftsschutzgebiet auf und der Schollener See ist eines der ältesten Naturschutzgebiete der Region.   Die Gemeinde Schollene verfügt über eine Reihe kommunaler Einrichtungen, welche relativ zentral liegen. Mit Bildung der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land gingen die Zuständigkeiten für Schule und Feuerwehr auf diese über. Alle diese Einrichtungen sind mit separaten Heizungsanlagen ausgestattet, deren aktueller Zustand recht unterschiedlich zu bewerten ist. Eingesetzt sind teilweise noch elektrischen Nachtspeicherheizungen, überwiegend jedoch konventionelle Ölheizungen oder Gasthermen. So zeichnet sich mindestens punktuell Handlungsbedarf ab. Es gibt weitere Interessenten an einer Optimierung der Wärmeversorgung, leider dezentral, wie der Seniorenwohnpark und die Gemeinschaftswohnanlage auf dem Mühlenberg.    Ziel des Auftrags    Der Verbandsgemeinderat Elbe-Havel-Land und der Gemeinderat der Gemeinde Schollene sehen hinsichtlich der Heizungsanlagen im kommunalen Eigentum kurz oder mittelfristig Handlungsbedarf. Dabei stellt sich auch grundsätzlich die Frage, wie sollen denn zukünftig diese Anlagen betrieben werden? Die kontinuierlich gestiegenen Preise herkömmlicher Energieträger veranlassen dazu, auch alternative Energien in die Betrachtung einzubeziehen. Hier sollten vorrangig regional (in Ortsnähe) verfügbare Ressourcen in Betracht kommen, um auch regionale Unternehmen in die Wertschöpfungskette einzubeziehen. Während die herkömmlichen Anlagen überschaubar sind, bringt der alternative Sektor einige Herausforderungen mit, die für einen Außenstehenden kaum zu beurteilen sind.   Was steht als alternativer Energieträger nun regional in größerem Umfang zur Verfügung. Hier kann die grade vorgelegte Biomassepotentialstudie des Biosphärenreservates Mittelelbe zur Orientierung herangezogen werden.Klar ist, dass eine weitere Belastung von Ackerflächen zur Erzeugung von Biomasse nicht realistisch ist. Einerseits wird bereits jetzt umfangreich für den Biogassektor produziert, andererseits soll der nicht gerade das Landschaftsbild (Tourismus/Naturschutz/Umwelt) belebende Monokulturtrend auch noch kommunal befördert werden, denn Schollene beabsichtigt nach wie vor seinen Erholungsortstatus weiter zu beleben. Bleibt als Produktionsfläche nur Grünland oder Wald. Durch die Nähe des Zellstoffwerkes Arneburg wird eine recht intensive Waldwirtschaft betrieben, die durch wachsendes Privatinteresse an preiswertem Brennstoff noch befördert, mittlerweile einen Grad erreicht hat, der es schwer macht, hier noch eine Nachhaltigkeit zu erkennen. Bleibt das Grünland zu betrachten. In Ortsnähe stehen relativ große Grünländereien zur Verfügung und werden auch landwirtschaftlich genutzt. Derzeit reichen die Viehbestände jedoch nicht mehr aus, um den Aufwuchs dieser ertragreichen Wiesen betrieblich zu verwerten. Dieser Trend besteht bereits einige Zeit, eine Fortsetzung ist zu befürchten. Es besteht also ein Grünmasseüberschuss, welcher für die energetische Nutzung verfügbar wäre. Die Grünlandwirtschaft entspricht den landschaftlichen Gegebenheiten und stellt einen wichtigen Faktor für naturschutzfachliche Zielstellungen dar. Das Grünland der Niederungsgebiete prägt das Landschaftsbild und erlaubt von bestimmten Standorten fensterartige Blicke, weit in die Landschaft der Unteren Havel. Diese attraktiven landschaftlichen Gegebenheiten wiederum sind auch aus touristischer Sicht unbedingt erhaltenswert.Es finden sich also durchaus interdisziplinäre Begründungen, welche ein Bemühen um die Erhaltung dieser Grünlandgesellschaften aus verschiedenen Sichtweisen rechtfertigen. Zur Sicherung der naturschutzfachlichen Schutzziele wurde dazu durch die zuständigen Behörden bereits für 2010 mit der Umsetzung eines Grünlandmanagements, länderübergreifend mit dem Land Brandenburg für die Untere Havelniederung auf den Weg gebracht.   Da Mähgut aus der Grünlandnutzung als möglicher Energieträger identifiziert wurde, bleibt die Frage zu klären, wie kann dieses Grünland in (Wärme)energie umgewandelt werden. In diesem Zusammenhang ist zwingend die Frage zu beantworten, wie wirkt die mögliche Nutzung des Grünlandes für die Energiegewinnung auf die bereits benannten, für die Entwicklung der Kommune ebenfalls sehr wichtigen Funktionen Umwelt/Naturschutz/ Tourismus/Erholung aus? Die naturschutzfachliche Herangehensweise besagt, eine Grünlandgesellschaft gewinnt dann an ökologischem Wert, wenn eine auf Extensivität ausgerichtete Nutzung möglich ist und das Nutzungsprofil möglichst kleinflächig hergestellt werden kann. Das heißt, es sollten sich kleinflächig möglichst viele unterschiedliche Aufwuchsstadien auf der Fläche befinden. Da sich so auch ein effektiver touristischer Wert einstellt, sollte diese Zielstellung Berücksichtigung finden. In den bei höheren Wasserständen durchströmten Grünlandbereichen finden sich großflächige, ertragreiche Rohrglanzgrasbestände, ein Gras mit recht hohem Rohfaseranteil. Es liegt also nahe, eine Nutzung anzustreben, welche möglichst flexible Mähtermine zulässt und nicht wie derzeit oftmals praktiziert dazu zwingt, bei optimalen Wetterlagen möglichst große Flächen zu beernten. Hier spielt das Halmgutheiz(kraft)werk klar seine Vorteile aus. Das getrocknete Halmgut muss nicht nach futterqualitativen Gesichtspunkten geworben werden. Es steht ein längerer Zeitraum zu Beerntung zur Verfügung. Es kann relativ kleinflächig geerntet werden. Die notwendige Technik ist bei den regionalen Landwirtschaftsbetrieben vorhanden. Das trockene Halmgut ist problemlos zu lagern. Alle Prozesse bis zum Heiz(kraft)werk sind durch die vorhandenen Strukturen ohne zusätzliche Aufwendungen leistbar, die Einbindung in die Wertschöpfungskette ist realistisch gegeben. Somit erfüllt ein Halmgutheiz(kraft)werk alle einleitend genannten multifunktionalen Anforderungen. Diese zunächst kommunal ausgerichtete Ansicht wurde im Rahmen einer Vorbesprechung am 02.10.2010 von Vertretern der Sachbereiche Landwirtschaft, Umwelt- und Naturschutz, Kommunen und Tourismus/Erholung bestätigt.
Kategorie:
  • Feste Brennstoffe
  • Innovative technische Ansätze
  • Naturschutz und Landschaftspflege
  • Regionale Wertschöpfung
  • Vorzeigeprojekt
 
 
Basisdaten Nachwachsende Rohstoffe
 
Bauer Hubert
 
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